97. Internationale Langstrecken-Regatta „Quer durch Berlin“ 2026 Tegel (Berlin)

Samstag, 10.10.2026 um 04:45 Uhr klingelt der Wecker. Aufstehen und fertig machen, 06:00 Uhr geht’s los. Auf nach Berlin, meine erste Regatta, jedoch von Aufregung noch keine Spur. Aber der Reihe nach. Am Freitag, den 11. September fragte Christiane Fischer in der Runde der WRV-Freizeitruderer-Gruppe, ob wir uns mit den Naumburger Ruderern zusammentun und bei „Quer durch Berlin“ mitmachen wollen; 7 km durch Berlin. Ich war von Anfang an begeistert. Ursprünglich sollte ich in einem Mix-Vierer sitzen, doch die Krankenwelle machte uns einen Strich durch die Rechnung und am Ende wurde es ein Männer-Vierer (Nino Faust, Franz Strohbach, Karsten Eichhorn, Denis Müller (alle WRV) und am Steuer Selma Baumgart (RVN), der in der Konstellation am Wettkampftag das erste Mal zusammenfuhr. Wir machten uns also auf den Weg in die Hauptstadt. Nur nicht nach Berlin-Mitte, sondern in den Nordwesten der Stadt zum Tegeler See, denn leider musste die Regatta aufgrund einer kurzfristigen Großbaustelle auf der City-Spree verlegt werden.  Da wir gut in der Zeit lagen und unser Boot, samt Naumburger Ruderkameraden, noch nicht vor Ort waren, konnten wir uns mit dem Startgelände vertraut machen und Vorbereitungen zum Bootsaufbau treffen.

Als die Naumburger eintrafen, machten wir uns gleich ans Abladen und Aufriggern. Danach erfolgte durch Christiane die Abmeldung des ursprünglichen und Neuanmeldung des aktuellen Vierers, denn die Besatzung änderte sich über 50 Prozent und da reicht eine Ummeldung nicht aus. Es wehte eine frische Brise (Windstärke 6) und laut Vorhersage sollte der Wind noch zunehmen. Beim Blick in die Runde stellte sich mir die Frage, ob wir denn überhaupt starten können, die Kinder und Jugendlichen mit ihren Rennbooten und dazu die Wellen. Aber um es vorwegzunehmen, ging alles gut. 

Wir waren also bereit und hatten noch Zeit bis zum Start. Ab 13:00 Uhr ging es los und gestartet wurde im Takt von 30 Sekunden. Unsere Startzeit war 15:11 Uhr und ab 14:30 Uhr konnten wir aufs Wasser. Nun war es erst kurz nach 11 Uhr, also erstmal Mittagspause.  

Wir suchten uns ein nettes Lokal in der Nähe und nachdem wir uns gestärkt und aufgewärmt hatten, ging es zurück zum Boot. Unser „Rhein“ lag, aufgebettet auf lauter „Nudeln“ in erster Reihe, gleich neben Bänken, sodass wir uns das bunte Treiben auf dem Wasser ansehen konnten und ich spürte, wie die Anspannung stieg. Diese Vorfreude trübte sich jedoch ein bisschen, denn es setzte Sprühregen ein und es wurde immer windiger. Na prima, dachte ich mir. Wir hatten noch eine Stunde bis es für uns losging, also schnell zum Auto und rein ins trockene und nochmal aufwärmen. Zum Glück parkten wir ganz in der Nähe, sodass uns längere Wege erspart blieben. Pünktlich 14 Uhr war der Regen abgezogen, die Sonne schien und wir konnten uns in Ruhe umziehen und fertigmachen. Der Wind blieb, aber das sollte jetzt auch egal sein. Nur keinen weiteren Regen wünschte ich mir.

Wir legten unsere Skulls am Materiallager ab, ließen das Boot zu Wasser machten uns zum Einsteigen bereit, doch dann kam nochmal ein Wettkampfrichter und kontrollierte unser Boot. Es kam, wie es kommen musste, die Bänder für die Hackenhalter waren nicht fest genug. Beim Umbinden riss mir eine Seite und ich konnte es auf dem schwankenden Steg nicht wieder durch das kleine Loch fädeln. Das Wasser schwappte mir auf die Schuhe. Ich setzte mich also ins Boot, zog einen Schuh aus, löste den Schnürsenkel und fädelte diesen in den Hackenhalter. Dem Start stand nun nichts mehr im Wege. Nachdem wir alle im Boot saßen, machten wir schnell ein paar Meter, sodass wir von den Wellen nicht wieder ans Ufer gedrückt wurden und ruderten in den geschützten Bereich der Insel Hasselwerder. Hier lagen wir ruhig vor Wind und Wellen. Wir konnten alles nochmal in Ruhe festziehen und einstellen.

Dann wurde es langsam ernst. Es ging auf zum Startbereich. In unserem Lauf starteten 6 Boote und wir zum Schluss. Wir konnten sehen, wie manche Boote förmlich davonflogen. Ich dachte mir, das kann ja heiter werden, doch Nino und Franz hielten unsere Motivation oben. Karsten hat im Vorfeld ebenso dafür gesorgt, dass wir zwei „Konkurrenten“ weniger haben, indem er mit den Teams ins Gespräch kam, uns Sicherheitsnadeln besorgte und diese freundlich stimmte. Dummerweise starteten diese jedoch in einem anderen Lauf.

Nun waren wir dran. Einfahren zur Tegeler Hafenbrücke. Wende auf der Stelle. Startposition einnehmen und los ging es. Wir erwischten einen guten Start. Eine Schlagrate von 33 zum Anfang und dann bei konstant 25 Schlägen eingependelt. Unser Plan ging auf. Auch die Länge der Schläge stimmte und wir fuhren sehr gleichmäßig. Nach etwa 3 Kilometern hatten wir das vor uns startende Boot überholt. Jetzt galt es nicht nachzulassen. Selma peitschte uns von ihrem Steuerplatz an und das Boot lief gut. Noch einen Kilometer und dann eine Kurve in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Dann drückt der Wind nicht so, waren meine Gedanken. Ich spürte meinen rechten Unterarm. Er wurde fest und jedes Auf- und Abdrehen schmerzte. Doch ich konnte nicht lockerer lassen, der Wind drückte gegen das Blatt und da blieb keine andere Wahl. Nach Kilometer 4 wurde das Wasser ruhiger und ich konnte den Griff etwas über die Finger rollen lassen, dafür musste aber der Beinschub weiter stimmen. Die verbesserten Bedingungen machten sich gleich bemerkbar und wir wurden schneller. Selma feuerte uns weiter an, denn das nächste Boot war in Reichweite. Wir kamen dem Boot immer näher, fuhren wieder sehr gleichmäßig, doch zum Überholen reichte es nach knapp 7,5 Kilometern nicht. Das Ziel erreicht. Es war Schluss. Geschafft.

Nun ging es ruhig in die Warteschleife und dann zum Steg. Mein Arm dankte es mir. Die Stegzeit betrug pro Boot etwa 2 Minuten, also mussten wir da wieder fix sein. Glücklicherweise hatten wir kurze Wege, denn Ralf Baumgart (der Naumburger Cheforganisator) hatte den Bootstrailer nah am Ziel positioniert. Alle fassten mit an und somit dauerte das Abriggern nicht lang. Auch nicht allzu lang dauerte die Ergebnisermittlung. Für Karsten und mich war es die erste Regatta, sodass unser Ziel ein gutes Durchkommen war und vielleicht nicht der letzte Platz. Am Ende hieß es Platz 2!

Wir konnten es kaum glauben. Ein großartiges Gefühl. Eine wunderbare gemeinschaftliche Leistung! Ich bin allen Organisatoren, hier im Besonderen Christiane und Ralf, und meiner Besatzung sehr dankbar, für dieses Erlebnis.

Auch die Organisatoren konnten sich freuen, denn mit 812 Teilnehmern wurde ein neuer Teilnehmerrekord erzielt.

von Denis Müller.